Biographie

Ich bin 1983 in Hamburg geboren, dort aufgewachsen und 2006 in die Schweiz gekommen, ursprünglich nur für ein dreimonatiges Workstudy Programm im Kiental. Dort habe ich Shiatsu kennen und lieben gelernt und habe diesen Weg seit dem stets weiter verfolgt.

Aus einer gesundheitlichen und emotionalen Krise heraus begann ich (durch Zufall könnte man sagen - oder war es Glück?) als 18-Jährige eine unbekannte Form der Atemarbeit, entwickelt von Anna Langenbek (1908 - 1985). Ich erhielt wöchentlich eine dreistündige Atemstunde, welche eine Atemmassage (mit den Füssen ausgeübt, ähnlich wie „Barfuss-Shiatsu"), angeleitete Atemübungen und Stimmübungen am Klavier, sowie eine Ernährungsumstellung und tägliches praktizieren der Atemübungen beinhaltete. Diese intensive Form der Körperarbeit hat mich damals stark geprägt, meine Wahrnehmungsfähigkeit geschult und mich im Empfinden meiner eigenen Körperprozesse sensibilisiert. Sie hat mir ausserdem gezeigt, wie verwoben Körper und Psyche miteinander sind und wie wertvoll und klärend es sein kann, auch bei emotionalen oder seelischen Themen, beim Körper anzusetzen.

Als ich 2006 Shiatsu kennenlernte, erfuhr ich, dass vieles von dem, was ich in meinem Körper wahrnehmen gelernt hatte, schon in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM, welche dem Shiatsu als eine Grundlage dient) beschrieben wurde. Ich war beeindruckt davon, dass es Konzepte dazu gab und viele andere Menschen, die ebenso in der Lage waren, den Körper, wie auch zwischenmenschliche Beziehungen so genau und präzise wahrzunehmen. Ich lernte Meridiane, so genannte Energie-Leitbahnen kennen, lernte verschiedene Strukturen im Körper erspüren, Knochenstellungen, Muskelspannungen, Faszien-Entwindungs-Bewegungen erfühlen und mit Menschen "in Resonanz gehen" - sowie sich von diesem „Einschwingen“ auf einen anderen Menschen dann auch wieder ganz klar zu lösen. Ich lernte, meine Wahrnehmung konkret einzusetzen, und somit nicht mehr davon überfordert zu sein, welche Fülle von Informationen einem im Kontakt mit einem anderen Menschen zur Verfügung stehen. Wie hilfreich doch der Anfängergeist ist!

Nach Abschluss meiner Shiatsu Ausbildung wurde ich angefragt, für einen Mitstudenten zu dolmetschen, Deutsch-Englisch. Ich entdeckte, dass es mir leicht fällt, mehrere Stunden am Tag simultan zu übersetzen. Somit fing ich an, die gesamte Shiatsu Ausbildung noch zwei Mal komplett durch zu übersetzen sowie vielerlei Fortbildungen im Bereich Körpertherapie, Tanz, Bewegung und Psychologie als Übersetzerin zu begleiten. Ich merkte, dass ich trotz der simultanen Übersetzung noch alles mitbekam vom Unterricht, sogar präsenter war, als wenn ich nur zuhörte. Oft war es auch möglich, bei praktischen Übungen mitzumachen, so dass sich mein Wissen und meine Erfahrungen beständig erweiterten.

Heute assistiere ich die Shiatsu Ausbildung am Kientalerhof, übersetze die Cranio Ausbildung und bin dankbar für dieses konstante Lernfeld. Ich habe dadurch ein breites Repertoire an Berührungs-Möglichkeiten und Unterrichts-Stilen gesammelt und freue mich, dies nun in eigener Praxis weitergeben zu können. Zudem gebe ich meine Erfahrungen und mein Wissen auch im Workstudy Programm des Kientalerhofs weiter, wo ich alle zwei Wochen einen "Bodywork Abend" unterrichte.

Ich bin als Therapeutin stark geprägt worden durch meine eigene Geschichte mit chronischen Schmerzen und Migräne. Diese Erfahrungen sind einerseits Antriebskraft und Motivation für mich, meinen Körper und meinen Raum weiter zu erforschen, mir stets neues Wissen anzueignen, mich auf intensive Prozesse einzulassen und immer wieder deutlich in Kontakt zu kommen mit der Transformations-Kraft, die Shiatsu haben kann. Ich bin froh, Möglichkeiten gefunden zu haben, mit Migräne Schmerzmittel-frei umgehen zu können. Gleichzeitig hat sich darüber mein Verständnis und Mitgefühl für Menschen entwickelt, die mit einem intensiven (Lebens-)Thema, Schmerz oder Krankheit umzugehen haben. Es gibt nicht für alles eine Lösung. Dies zu akzeptieren und dabei doch immer offen zu bleiben für die Veränderung, die jetzt, in diesem Moment geschehen will und diese geschehen zu lassen - das sehe ich als meine Aufgabe.

Für mich ist Shiatsu viel mehr als „nur" eine wirkungsvolle Therapie für akute Beschwerden, es ist ein Lebensweg der Entwicklung und des Wachstums geworden. Es ist eine Form der Auseinandersetzung mit meinem Menschsein und hat einen grossen Einfluss darauf, wie ich mit meinen Mitmenschen in Kontakt bin und meine Beziehungen zu ihnen gestalte. Als Therapeutin sehe ich mich selbst, meinen Körper, meinen Innenraum als Instrument. Indem ich dieses Instrument gut zu stimmen und zu spielen weiss, kann ich auch anderen ein Klangkörper sein für ihre ureigene Musik.